Für mich ist das Aufwärmen nicht der „Vorlauf“ zum Training.
Es ist der erste Moment echter Verbindung.
Der erste Dialog.
Der Moment, in dem wir sagen: Ich sehe dich. Ich höre dich. Ich bin da.
Bevor es um Lektionen, Technik oder Leistung geht, geht es um etwas Grundlegenderes:
👉 Ankommen – beim Pferd und bei uns selbst.
Ankommen – körperlich, mental und emotional
Unser Alltag ist oft schnell, laut und voll.
Wir kommen in den Stall mit einem Kopf voller Gedanken – und treffen auf ein Wesen, das nichts von all dem will, außer Klarheit, Ruhe und Präsenz.
Das Aufwärmen schenkt uns einen Raum, in dem wir beide ankommen dürfen.
Nicht nur körperlich – sondern auch mental und emotional.
Ich lade meine Kund:innen immer dazu ein, sich zwei Fragen zu stellen:
👉 Wie fühlt sich mein Pferd heute an?
👉 Wie fühle ich mich selbst?
Denn nur wenn wir ehrlich hinschauen, können wir fair trainieren.Warum 20 Minuten Aufwärmen kein Zufall sind
Aus physiotherapeutischer Sicht ist eine Aufwärmzeit von etwa 20 Minuten kein willkürlicher Wert.
Erst nach ca. 15–20 Minuten moderater Bewegung steigt die Muskeltemperatur so an, dass Muskulatur, Sehnen und Bänder elastischer reagieren.
Was dabei im Körper passiert:
Die Durchblutung steigt → bessere Sauerstoff- & Nährstoffversorgung
Die Viskosität der Muskulatur sinkt → mehr Elastizität
Die Gelenkflüssigkeit verteilt sich gleichmäßig → weniger Reibung
Das Verletzungsrisiko sinkt deutlich
Gerade bei Pferden mit Arthrose, alten Verletzungen oder kompensatorischen Bewegungsmustern ist diese Zeit entscheidend, um Überlastungen und Mikroverletzungen zu vermeiden.
Mentales Aufwärmen – das Nervensystem vorbereiten
Aufwärmen betrifft nicht nur den Bewegungsapparat.
Auch das Nervensystem braucht Zeit, um von Alltag auf gezielte Arbeit umzuschalten.
Pferde, die im Schritt nur „mitlaufen“, bleiben häufig im passiven Modus.
Erst durch bewusste Tempowechsel, Richtungsänderungen und klare Körpersignale wird das zentrale Nervensystem aktiviert.
Diese mentale Aktivierung ist Voraussetzung für:
Koordination
Gleichgewicht
sauberes Timing
echte Lernbereitschaft
➡️ Aufwärmen ist also auch Neuro-Training.
Sehen statt nur funktionieren
Viele Pferde laufen „brav“ nebenher.
Sie gehen ihre Runden, reagieren wenig, wirken ruhig – sind innerlich aber oft gar nicht wirklich bei uns.
Sie haben gelernt, dass ihre feinen Signale keine Rolle spielen.
Dass ihre Stimme nicht gehört wird.
Ich möchte Menschen wieder dahin führen, Pferde zu sehen – nicht nur zu benutzen.
Und genau das beginnt im Aufwärmen.
Praxis: So gestaltest du dein Aufwärmen sinnvoll
1️⃣ Gemeinsames Gehen – Verbindung aufbauen
Ich gehe nicht neben meinem Pferd.
Ich gehe mit ihm.
Ich atme ruhig
Ich richte meinen Fokus auf mein Pferd
Ich lade es ein, sich an mir zu orientieren
Im Schritt:
kleine Tempowechsel über Körpersprache
Anhalten – Rückwärts – Angehen
Wendungen mit Einladung statt Zug
➡️ Hier beginnt echte Kommunikation – und mentale Aktivierung.2️⃣ Erste Gymnastik: Schulter & Rumpf vorbereiten
Nach den ersten Minuten kann ich mit der gymnastizierenden Arbeit beginnen:
Schulterherein
leichte Übertritte
erste Stellung & Biegung
Diese Übungen:
mobilisieren die Schultergelenke und die Schulter-Rumpf Verbindung
aktivieren die Rumpfmuskulatur
verbessern die Ansteuerung der Hinterhand
wirken wie ein sanftes Stretching der myofaszialen Ketten
➡️ Du erkennst hier sehr früh Verspannungen und Einschränkungen.Ich frage mich dabei:
Wo ist mein Pferd steif?
Wo ist es weich?
Wo weicht es den Anforderungen aus?
Nicht, um zu korrigieren – sondern um zu verstehen.
3️⃣ Stangenarbeit – Dehnung & erste Muskelspannung
Im Schritt über Stangen mit gesenktem Kopf:
Das Pferd darf:
die Oberlinie dehnen
die Hinterhand aktivieren
erste Muskelspannung aufbauen
➡️ Der Körper kommt in Bewegung – die Konzentration steigt.4️⃣ Feine Verbindung aufbauen
An Trense oder Kappzaum:
leichte Stellung
sanfte Biegung
ruhige Übergänge
Ziel:
Unterhals entspannen
Oberlinie dehnen
feine Kommunikation etablieren
Ich möchte, dass mein Pferd mich nicht „aushält“, sondern versteht.5️⃣ Die Ecke bewusst gehen – Start in Tragfähigkeit
Gehe ruhig mit deinem Pferd auf die Ecke zu.
Wende zuerst die Schulter – dann folgt die Hinterhand.
Nicht mit Druck, sondern mit Klarheit und Ruhe.
Diese Übung:
öffnet die Schulter
fördert Lastaufnahme
schult Konzentration & Körpergefühl
➡️ Ein respektvoller Einstieg in Aufrichtung & Tragarbeit.Nach dem Training: Cool-down nicht vergessen
Das Cool-down ist kein Abstellen – es ist ein Begleiten.
Du führst dein Pferd wieder in die Ruhe zurück.
Beanspruchte Muskulatur wird entspannt, die Durchblutung durch ruhige Gymnastizierung reguliert.
So kann sich die Muskulatur nachhaltig aufbauen und der Bewegungsapparat gesund und geschmeidig bleiben.
Ein gutes Cool-down hilft:
den Herzschlag zu normalisieren
Stoffwechselprodukte abzutransportieren
Spannungen zu lösen
den Körper in den Ruhezustand zu führen
Auch hier findet Kommunikation statt!
Fazit
Aufwärmen ist:
✔️ körperliche Vorbereitung
✔️ mentale Einstimmung
✔️ Kommunikationsaufbau
✔️ Trainingsanalyse in Bewegung
Es entscheidet darüber, ob dein Pferd mit dir arbeitet – oder nur neben dir funktioniert.
Und es entscheidet darüber, wie fair, gesund und nachhaltig dein Training wirklich ist.
Meine Vision für Pferdetraining
Ich möchte einen Raum schaffen für:
✔️ Sicherheit
✔️ Entwicklung
✔️ Heilung
Ich möchte Menschen stärken, statt sie zu verunsichern.
Ich möchte euch helfen, Expert:innen für eure eigenen Pferde zu werden – nicht nach Lehrbuch, sondern nach Gefühl, Wahrnehmung und echter Verbindung.
Ich wünsche mir eine Pferdewelt ohne Neid, Konkurrenz und Rechthaben.
Eine Welt mit Respekt, Kommunikation und Frieden.
Und ich glaube:
➡️ Das beginnt im Kleinen.
➡️ In 20 Minuten Aufwärmen.
➡️ In der Art, wie wir unser Pferd anschauen.
Dein nächster Schritt
Wenn du dir wünschst, dein Pferd noch besser zu verstehen und Training gesund, fair und achtsam zu gestalten, begleite ich euch individuell – vom Aufwärmen bis zum gezielten Training.
✨ Gemeinsam finden wir heraus, was dein Pferd wirklich braucht, und geben ihm die Stimme, die es verdient.
👉 Schreib mir oder vereinbare ein Kennenlerngespräch, um direkt loszulegen.
